Meine Zeit in Spanien vergeht wie im Fluge, mir bleiben nur noch wenige Wochen. Die Arbeit ist nach wie vor relativ abwechslungsreich und in Ordnung. In den Theater- und Bewegungsstunden, die wir in Kindergärten und einer Grundschule geben, laufen die Vorbereitungen für die Abschlussfeste des Schuljahres bereits auf Hochtouren. Da wir die Kinder jeder Gruppe abstimmen liessen, wollten letzendlich fast alle einen Tanz aufführen. Also bereiten wir insgesamt 4 Theaterstücke und 6 Tänze vor, dabei sind 2 Choreographien mir allein überlassen. Damit hab ich dann so mein Tun…
Dann leite ich immer noch donnerstags den Englischunterricht in einer Grundschule. Jedesmal überlege ich fieberhaft, was wir machen können, weil es vor allem mit den 3-5-Jährigen schwierig ist. Also erzähle ich ihnen kurze Geschichten wie Rotkäppchen, bereite ein Spiel vor, lass sie Rätsel lösen oder wir singen ein englisches Kinderlied. Letzte Woche habe ich Bingo mit ihnen gespielt, mit Bildern von Körperteilen, deren Namen sie bereits kennen. Meistens klappt alles ganz gut und es macht Spass, denn die Kinder sind echt lieb. Seit ein paar Wochen gebe ich auch der 11-jährigen Tochter einer Grundschullehrerin Nachhilfe in Englisch. Das ist irgendwie noch besser als der normale Gruppenunterricht, weil´s so viel effektiver ist und man sich besser kennen lernt. Mariña erzählt mir schon ´ne Menge von ihren kleinen und grossen Sorgen und Abenteuern.
Ansonsten treff ich mich auch immer noch mit Zweien der Spanier, die sich auf meine Anzeige in der Uni für ein Sprachtandem gemeldet hatten. Letzendlich sind beide keine Studenten. David, ein Galizier, der aber in der Schweiz geboren wurde, und ein Lehrer für Französisch ist, obwohl er Deutsch studiert hat, möchte die Sprache aktuell halten…
(Aber in Deutschland könnte man nicht einfach Italienisch auf Lehramt studieren, dann aber Französisch unterrichten, oder?!) Mit Raúl, der spanische Philologie studiert hat und gerade promoviert, versuch ich einen Englisch-Spanisch-Austausch. Ist manchmal kurios, wenn ich zwei Wörterbücher brauch, da ich ihm eine englische Redewendung nicht auf Spanisch erklären kann oder andersherum. Jedenfalls sind die Treffen immer sehr lustig und ich bin froh, dass ich diese Möglichkeit genutzt habe.
In meiner Freizeit hat sich nicht viel geändert. Nach wie vor verbringe ich fast mehr Nächte der Woche in Santiago als in meinem Dorf, gehe viel in Ausstellungen und Filme, treff mich mit Freunden auf einen Kaffee und Tapas, und versuche, an den Wochenenden so viel zu reisen, wie es der Geldbeutel zulässt. Ach, und seit Anfang Januar gehe ich in einen Capoeira-Kurs (ein brasilianischer Kampfsport). Die Gruppe ist nicht in verschiedene Niveaus unterteilt, sondern jeder trainiert mit und gegen jeden. Meistens seh ich da ziemlich alt aus und einen Gürtel werde ich wohl nie ergattern, aber es macht super viel Spass! Und am nächsten Tag lässt regelmässig der Muskelkater grüssen.
Übrigens werde ich nun doch einen Monat länger hier bleiben als ursprünglich geplant. Meine Chefin hat mich gefragt, ob ich nicht sogar bis Ende Mai bleiben könne, da es bislang noch keine Nachfolger für meine Mitbewohnerin Adrienn und mich gibt, doch ich möchte im Mai schon ein paar Dinge in Deutschland regeln. Also werde ich insgesamt neun statt acht Monate in Galizien arbeiten, dabei noch Ostern und die ersten Frühlingswochen in Spanien geniessen, und dann um den 20. April herum nach Hause fliegen!
hey maus, ich verfasse gerade mal wieder eine längere mail an dich… und da dachte ich mir, gucke ich gleich mal, was es neues gibt! von deinem sprachtandem wusste ich ja gar nix! klingt ja aber wirklich toll! da scheinst du ja ein ziemlich volles und abwechslungsreiches programm zu haben. sowohl bei der arbeit als auch in der fereizeit! ich sage nur: kampfsport!