“Wenn ich schon neun Monate in Spanien lebe, muss ich doch wenigstens mal die Hauptstadt gesehen haben!”, dachte ich mir und habe am letzten Wochenende einen Kurztrip nach Madrid gemacht. Ich hatte viel gehört, dass die Stadt grau und langweilig wäre, aber das kann ich überhaupt nicht bestätigen! Klar ist´s komplett anders als Galizien. Das fängt schon damit an, dass ich am Flughafen in die Metro stieg, und alles verstanden habe… Endlich Castellano!
Die Stadtteile sind meiner Meinung nach so bunt und unterschiedlich wie ihre Einwohner. Ich hatte gleich das Gefühl in einer internationalen Stadt zu sein, mit einer grossen Vielfalt an Kulturen und Musik. Und der Anteil der Personen, die grösser als 1,75m und nicht dunkelhaarig sind, stieg im Vergleich zu Galizien auch enorm….


Ich wohnte bei einer englischen Freiwilligen, die ich auf zwei Seminaren in Palencia und Málaga kennengelernt hatte. Am Samstag habe ich mich mit einem Reiseführer bewaffnet aber erst einmal alleine auf die Socken gemacht. Meine Tour begann am Plaza Mayor, im Herzen der Stadt. 9 Gassen führen auf den Platz aus dem 15.Jahrhundert, auf dem anscheinend immer das Leben tobt. Auch die Kathedrale Madrids, La Almudena, ist durchaus sehenswert. Sie wurde erst 1993 als solche ernannt und ist sehr modern gestaltet. Anschliessend war ich im Königspalast – ist schon beeindruckend, mit wieviel Gold, Silber und Porzellan man seine Zimmer so dekorieren kann. Der spanische König lebt jedoch ganz rebellisch nicht im Palast, sondern blieb lieber in seinem bescheidenen Häuschen.
Daher wird ein grosser Teil des Palastes als Museum genutzt. Beeindruckend fand ich vor allem das mächtige Treppenhaus, den Thronsaal und einige Gemälde von Goya. In einem Raum sind die Initialien des aktuellen Königpaares graviert – also muss wohl alle paar Jahre der Putz runter.

Was ich nicht wusste ist, dass Madrid nicht im Laufe der Zeit zur Haupstadt heranwuchs, sondern das angeblich vielmehr eine willkürliche Entscheidung des damaligen Königs war. Die Stadt hatte wohl nicht viel zu bieten. Sie lag weder an einem grossen Fluss, wie die meisten anderen europäischen Hauptstädte, noch verfügte sie über viele Rohstoffe. Warum also Madrid? Der König dachte sich wohl, seine Hauptstadt müsste möglichst zentral auf der iberischen Halbinsel liegen. Sieht ja hübsch aus auf der Landkarte und gleicher Anfahrtsweg für alle…
Am Nachmittag war ich im Museum Thyssen-Bornemisza, eines der drei grossen Kunstmuseen Madrids. Der Prado ist wahrscheinlich das bekannteste Museum Spaniens, da hängen die grossen Klassiker. Aber da mir moderne Kunst mehr zusagt, bin ich lieber ins Thyssen gegangen, eine riesige Privatsammlung an Gemälden ab dem 14.Jahrhundert bis heute. Es hat sich gelohnt! Ceri hat mir dann ein paar nette Ecken und preiswerte Cafés der Stadt gezeigt. Mittag assen wir in einem vegetarianischen Restaurant, wo man sich am Buffet bedient und dann nach Gewicht bezahlt (des Essens!), abends gab´s Tee und Falafel beim Araber.

Am Sonntag sind wir auf den berühmten Flohmarkt Rastro gegangen. Die Atmosphäre ist toll, auch wenn der Markt voll mit Touristen ist – und das im Februar! Danach wollte ich dem Park “Parque del Buen Retiro” noch einen Besuch abstatten, der im Herzen Madrids mit einem See sehr hübsch liegt, aber es blieb kaum Zeit. Ich musste mich schon wieder auf den Weg machen, aber so sah ich weingstens noch Madrids beeindruckenden Hauptbahnhof Atocha. Die alte Bahnhofshalle wird nicht mehr als solche genutzt, stattdessen hat man einen kleinen tropischen Regenwald angelegt – mit Vögeln und Schildkröten.
Auch wenn die Stadt vielleicht nicht ganz an das Flair von Barcelona oder Sevilla herankommt, an diesem Wochenende wurde Madrid für mich auf jeden Fall zu einer der interessantesten Städte Europas!